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Graspapier Pro & Kontra

 

PRO

Weniger Energie- und Wassereinsatz und bessere Emissionsbilanz 

+ Grasbasierter Zellstoff schneidet bezüglich des Energie- und Wassereinsatzes, des Versauerungspotenzials und der Emissionsbilanz deutlich besser ab als die Alternativen holzbasierter Sulfat-Zellstoff und Altpapierstoff. 
 

+ Im Vergleich zu Holzeinschlag können ähnlich große Mengen an Grundstoff (mindestens fünf Tonnen pro Jahr und Hektar) gewonnen werden. Einzig Eukalyptus verspricht einen deutlich höheren Ertrag pro Jahr und Hektar. 
 

+ Zur Herstellung einer Tonne Grasfasern werden nur 2 Liter Wasser benötigt. Im Vergleich dazu sind bei einer Tonne Holzfaser 32000 Liter Wasser erforderlich. Auch bei der Herstellung mit Altpapieranteil werden immer noch 9000 Liter Wasser benötigt. Der Grund dafür ist, dass Gras im Gegensatz zu Holz kaum Lignin enthält, so dass dieses nicht, wie bei Holzfasern energie- und wasseraufwändig herausgelöst werden muss. 
 

 
Regionalität = kurze Transportwege 

+ Derzeit wird das Gras regional erzeugt, hat also kurze Transportwege zur Papierfabrik. Die Graspellets werden bisher aus Gräsern von Ausgleichflächen gewonnen, die nicht landwirtschaftlich genutzt werden.  
Im Vergleich dazu wird der Rohstoff Holz, zur Herstellung von 1 Tonne Sulfat-Zellstoff im Durchschnitt 14000 km weit transportiert.  
Der Aufwand an Energie und Emissionen für den Transport einer Tonne Sulfat-Zellstoff ist somit höher als bei dem gesamten Herstellungsprozess von zwei Tonnen Altpapierstoff oder drei Tonnen grasbasiertem Zellstoff. 

 
Hohe CO2-Einsparung  

+ Pro Tonne Zellstoff aus Holz entstehen 510 kg CO2-Ausstoß. Bei Zellstoff aus Grasfaser sind es nur 127 kg CO2. Es werden 75 % CO2 eingespart. Im Vergleich zur Papierherstellung mit Recycling-Anteil aus Altpapier ist der CO2-Ausstoß immer noch 170 kg, somit in der Produktion noch 25 % niedriger. 
 

+ Zellstoff auf Grasbasis hat ein um den Faktor 18 geringeres Versauerungspotenzial. Das Versauerungspotenzial wird als relativer Beitrag zur Versauerung der Umwelt angegeben und kann zu Phänomenen wie dem Wald- oder Fischsterben führen. 
Graspapier besteht zu bis zu 50 % aus Zellstoff, welcher aus Gras gewonnen wird. Der Rest besteht aus Recycling- und/oder Frischfasern auf Sulfat-Zellstoff-Basis 
 

+ Die Herstellung von Graspapier benötigt 83 % weniger Energie als bei herkömmlichem Papier.  
 
 

 
 

KONTRA

 
Irreführender Begriff 

- Papier aus Gras klingt erst einmal verlockend und ziemlich ökologisch. Schaut man genauer hin, ist „Graspapier“ kein Papier aus Gras, sondern ein Frischfaser- oder Recyclingpapier mit Grasanteilen – und zwar lediglich bis zu 50 %. Der Begriff Graspapier ist daher etwas ungenau und sollte eher als „Frischfaser- oder Recyclingpapier mit Grasanteil“ bezeichnet werden. 
 


Hoher Materialverlust bei der Produktion 

- Versuche im Labor-, Technik- und Industriemaßstab haben gezeigt, dass ein Grobrückstand von ca. 10 % Gras im Herstellungsprozess aussortiert werden muss. Der Anteil an wasserlöslichen Bestandteilen liegt bei den untersuchten Grasmaterialien bei 20 – 25 %, sodass bei der Papierherstellung mit einem Materialverlust von 30 % und darüber zu rechnen ist, was wiederum eine deutliche Erhöhung der Einsatzmenge erfordert. 
 


Verschmutzung des Wassers 

- Beim Einsatz von Grasmaterialien steigt die Verschmutzung des Kreislaufwassers der Papiermaschine, zudem erfolgt eine drastische Erhöhung des chemischen Sauerstoffbedarfs (CSB) im Abwasser.  
 
Qualitätsverluste 

- Einen signifikanten Einfluss hat der Einsatz von Gras auf die Festigkeitseigenschaften. Bei einer Gras-Einsatzmenge von 25 % verliert das Papier über 40 % an Zugfestigkeit im Vergleich zu Referenzpapieren aus 100 % Altpapierstoff 
 

- Lediglich das Volumen des Papiers wird positiv beeinflusst, ähnlich wie bei einem Einsatz von Laubholzfasern. Der hohe Festigkeitsverlust muss jedoch, falls notwendig, mit dem Einsatz von besseren Primärfaser- oder Altpapierqualitäten kompensiert werden. 
 
- Zudem lässt sich die grünliche Farbe nicht entfernen.  Dies hat Nachteile für die Verwendung des Graspapiers, zum Beispiel für Printprodukte. 
 

 
Grasanteil des Papiers kann nicht recycelt werden 

- Gras ist kein Ersatz,- sondern ein Zusatzstoff für Papier. Ein hoher Graspapieranteil könnte den Altpapierkreislauf gefährden. Graspapier ist zwar recyclingfähig, aber es wird nicht wiederaufbereitet. Die Fasern sind so groß, dass sie von den Maschinen im Recyclingprozess aussortiert werden.  
 
 
 
 
Quellen:  
https://www.h-brs.de/de/oekobilanzierung-graspapier 
Verband der Wellpappen Industrie e.V. „Rundschreiben Nr. 9 vom 7.03.2019  
„Graspapier- eine Betrachtung aus technischer Sicht“ 
https://www.wiwo.de/unternehmen/industrie/unruehmlicher-spitzenreiter-sind-die-alternativen-verpackungen-wirklich-oekologischer/25139052-2.html 
https://www.dw.com/de/wiese-als-karton-verpackungen-aus-graspapier/a-49079108 
https://www.focus.de/perspektiven/wiese-als-karton-koennen-verpackungen-aus-gras-papier-aus-holz-ersetzen_id_10882944.html